875 Jahre St. Seb. Bruderschaft

Das Jubiläumsjahr der Bruderschaft Gymnich in 2014

Generationen verbinden – 875 Jahre St. Seb. Bruderschaft Gymnich 1139 e.V.

Die St. Sebastianus Bruderschaft Gymnich ist eine der ältesten Bruderschaften des Bundesgebietes. Ihre Herkunft führt sie auf eine religiöse Bruderschaft zurück, die Historiker als „Gebetsverbrüderung“ bezeichnen. Bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg ging man aufgrund eines Festvortrages von 1935 von einem Gründungsdatum von 1402 aus. Durch Zufall fand sich im Winter 1945/1946 auf dem Dachboden eines Landwirtes jedoch eine Urkunde, eingebunden in eine Lederrolle. Es handelte sich um die Urkunde des Erzbischofs Arnold von Wied aus dem Jahre 1139. Nach eingehender Prüfung des Dokumentes wurde als Gründungsjahr der St. Seb. Bruderschaft Gymnich daraufhin das Jahr 1139 beim Amtsgericht Erftstadt-Lechenich eingetragen.

Zu welchem Zeitpunkt sich die Bruderschaft den heiligen Sebastian zum Schutzpatron erkoren hat, ist nicht so genau zu datieren. In der Mitte des 14. Jahrhunderts trat aber die Pest auf. Es bildeten sich Pestbruderschaften unter der Bezeichnung Sebastianusbruderschaften, die sich der Pestkranken annahmen, die Leichen bestatteten und durch die Errichtung von Altären, Kapellen und dergleichen sowie der Verehrung des hl. Sebastian und anderer Pestheiliger wie Rochus, Christophorus, der hl. Anna, des hl. Eremiten Antonius und der 14 Nothelfer zur Abwehr beitragen sollten. Ein Pestkreuz am ehemaligen Schießplatz der Bruderschaft erinnert noch heute an diese Zeit. Historiker vermuten, dass aus den Pestbruderschaften nach Wegfall ihrer Hauptaufgabe die Schützenbruderschaften wurden.

Aber auch heute widmet sich die Bruderschaft neben dem Schießsport karitativen Tätigkeiten und der Pflege und Erhaltung gesellschaftlicher und kirchlicher Traditionen, wie zum Beispiel dem Fortbestand des Gymnicher Ritts. Diese lange Tradition und die Intention der Bruderschaft spiegelte sich im Jubiläumsmotto „Ein Fest der Generationen“ wider. Unter diesem Aspekt wurde das Jubiläumsjahr 2014 von den eigenen Mitgliedern, die sich in einem Festausschuss zusammen gefunden haben, geplant und gestaltet.

Traditionelles Patronatsfest läutete Feierlichkeiten ein

Das Patronatsfest im Januar 2014 läutete die Feierlichkeiten zum 875-jährigen Bestehen der St. Sebastianus Bruderschaft Gymnich 1139 e.V. ein. Traditionsgemäß begann der Festakt mit einer heiligen Messe und dem Gedenken an die verstorbenen Wohltäter und Mitglieder. Besonderes Augenmerk lag in diesem Jahr außerdem auf der Segnung der neuen Ehrenkönigskette durch Präses Pastor Joseph Pikos. Pünktlich um 16.00 Uhr eröffnete Präsident Jakob Flohr dann die Generalversammlung, um den Mitgliedern einen Überblick über das vergangene Jahr und das bevorstehende Jubiläumsjahr zu geben. Außerdem standen zahlreiche Wahlen an: So wurde Präsident Jakob Flohr für die nächsten vier Jahre als Präsident einstimmig wiedergewählt. Bei den Offizierswahlen wurde Karl Bongard, der bereits über 35 Jahre dem Offizierscorps angehört, erneut zum Königsadjutanten gewählt. Auf dem Familienball, der am Abend im Saal der Bruderschaft stattfand, ehrte Präsident Jakob Flohr dann die Jubilare der Bruderschaft. Insgesamt 46 Mitglieder feierten in diesem Jahr ihr Jubiläum, auch wenn nicht alle am Abend anwesend sein konnten. Besonders freute sich der Vorstand über das Jubiläum von Walter Kalscheuer, der seit 75 Jahren Mitglied der Bruderschaft ist. Eine besondere Auszeichnung wurde aber auch Präsident Flohr selbst zuteil. Er bekam das Sebastianus Ehrenkreuz, die höchste Auszeichnung, die an diesem Abend verliehen wurde. Damit dankten das Präsidium des Bund der Deutschen Historischen Schützenbruderschaften e.V. und der Vorstand Jakob Flohr für seinen besonderen Einsatz für die Bruderschaft und das Schützenwesen. Mit dem Silbernen Verdienstkreuz dankte die Bruderschaft dem aktiven Mitglied, Christoph Vois (30), für seine Unterstützung. Dirk Bernartz (30) wurde mit dem Ehrenkreuz des Sports in Bronze geehrt. Die Auftritte der Jugendabteilung und des Offizierscorps, der in diesem Jahr Unterstützung von der Showtanzgruppe Dancing Feet hatte, beschlossen in diesem Jahr den Patronatstag der St. Seb. Bruderschaft und gaben den Startschuss in ein unterhaltsames Jubiläumsjahr.

Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft gratulierten

Beim Festkommers Anfang Mai konnte die Bruderschaft dann zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft begrüßen, die das große Jubiläum würdigten. Als Moderatorin für den Abend konnte die Bruderschaft Melanie Wielens vom Domradio gewinnen. Sie führte charmant durch die Veranstaltung und führte auf dem „blauen Sofa“ unterhaltsame Interviews: Unteranderem mit dem Protektor der Bruderschaft Graf Beissel von Gymnich, Präsident Jakob Flohr, den beiden Schirmherren des Jubiläumsjahres Gerd Roß (Direktor KSK Köln) und Bernd Schmitz (Raiffeisenbank Gymnich eG), Bürgermeister Volker Erner, Landrat Michael Kreuzberg sowie den ehemaligen Königinnen Ketchen Nothhelfer und Margret Himpler. Zusätzlich wurden Videogrußworte von Dechant Hans-Peter Kippels, Pastor Josef Pikos, Pastorin Sabine Pankoke, Jakob Schmitz (Bezirksbundesmeister des Bezirksverbandes Erftstadt), Fred Schmitz (Ortsbürgermeister), Diakon Josef Recker (Bezirkspräses), Königin Michaela Vering, Jungschützenkönigin Kathrin Himpler und Ehrenkönig Jochen Esser gezeigt. Musikalisch wurden die Gäste von der Blaskapelle Hürth Hermülheim unterhalten, die zu den einzelnen Epochen der Vergangenheit Musikstücke spielte.

Tiefe Einblicke in die Geschichte

Wer darüber hinaus die Geschichte der Bruderschaft nachvollziehen und erleben wollte, konnte dies in einer großen Ausstellung tun, die von den Mitgliedern mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt worden ist. Die Ausstellung konnte von April bis Juni in den Geschäftsstellen der Kreissparkasse Köln und der Raiffeisenbank in Gymnich besucht werden.

Historischer Umzug ließ Geschichte erleben

Postkarte zum 875-jährigen Jubiläum Geschichte erleben konnten auch die Besucher und Teilnehmer des Bruderschaftsfestes. Der Höhepunkt im Jubiläumsjahr fand vom 13. bis 21. Juni 2014 statt und stellte gleichzeitig das Bezirksschützenfest des Bezirksverbandes Erftstadt dar. Die Feierlichkeiten begannen daher auch bereits einen Tag früher als gewohnt am Freitag. Am Morgen dieses Tages gedachten Präsident Jakob Flohr, Königin Michaela Vering und Jungschützenkönigin Katrin Himpler auf dem Friedhof den verstorbenen Präsidenten der Bruderschaft, dem ehemaligen Präses Jan Keyers und an der Schlossgruft der Protektorin der Bruderschaft Gräfin Miranda de Maistre und legten im stillem Gedenken ein Blumengebinde nieder. Am Nachmittag fand dann gemeinsam mit allen Erftstädter Schützenbruderschaften und der befreundeten St. Sebastianus Schützenbruderschaft Balkhausen-Türnich auf dem Rittplatz eine Andacht, zelebriert vom geistlichen Präses Pastor Joseph Pikos und dem Bezirkspräses Josef Recker statt, gefolgt von der feierlichen Standartenübergabe des Bezirksverbandes Erftstadt durch den Bezirksbundesmeister Jakob Schmitz. Anschließend wurde das Jubiläumsfest auf dem Gelände der Bruderschaft in Gymnich von Präsident Jakob Flohr eröffnet. Am Samstagnachmittag zelebrierte der neue Bundespräses Monsignore Robert Kleine, dem der Präses der Bruderschaft, Pastor Joseph Pikos und der Bezirkspräses Josef Recker zu Seite standen, das Festhochamt. Unter Mitwirkung des Seelsorgebereichschores "Neue Wege" erlebten die Besucher einen einmaligen Gottesdienst. In einer eindrucksvollen Predigt legte der Bundespräses das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit anhand eines dreiblättrigen Kleeblatts dar, rückte aber auch die Ideale Glaube, Sitte und Heimat in den Vordergrund. Im Anschluss an die Messe fanden das Totengedenken und die Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege statt. Den Abschluss des Tages bildete der stimmungsvolle Festball zu Ehren der amtierenden Majestäten. Die eigens für das Jubiläum engagierte Coverband „Unlimited“ und die Einlage der Jungen Trompeter aus Kerpen sorgten für einen stimmungsvollen Abend, in dessen Verlauf Christian Packmor und Jörg Ruhl mit dem Silbernen Verdienstkreuz ausgezeichnet wurden.

Die Hauptattraktion des Bruderschaftsfestes war jedoch der prachtvolle historische Umzug am Sonntag. Am 3,5 Kilometer langen Zugweg beklatschten die Zuschauer neben den Majestäten der Bruderschaft - Königspaar Michaela und Helmut Vering, Ehrenkönigspaar Jochen und Sofie Esser, Jungschützenkönigin Katrin Himpler, Schülerprinzessin Stefanie Schmitz und Bambiniprinz Tim Hillesheim - 45 Schützenbruderschaften und Musikkapellen aus dem Kreis und benachbarten Regionen sowie zahlreiche historische Gruppen. Historischer Umzug beim JubiläumsfestSo präsentierten die Mitglieder der Ortsbauernschaft viele historische Trachten und Arbeitsgeräte. Auch ein liebevoll gestalteter Erntewagen, verziert mit Obst, Gemüse und Erntekrone, wurde vorgeführt. Die Handwerkerschaft zeigte eine Auswahl von Berufsgruppen, wie Bäcker, Schlosser oder Metzger. Und auch ein altes Kanonengespann, das von zwei Pferden gezogen wurde, konnten die Zuschauer bewundern. Berittene Abordnungen der Frechener Prinzengarde und von Burg Satzvey zogen ebenfalls mit. Die beiden Schirmherren des Jubiläumsjahres Gerd Roß von der Kreissparkasse und Bernd Schmitz von der Raiffeisenbank Gymnich sowie der Protektor der Sebastianer Franz Josef Graf Beisssel von Gymnich und der geistliche Präses Pastor Joseph Pikos winkten aus einer Kutsche. In der Ehrenformation im Festzug mit dabei war auch der Landrat des Rhein Erft Kreis, Michael Kreuzberg in seiner Brühler Schützenuniform, der Bürgermeister der Stadt Erftstadt, Volker Erner, die evangelische Pastorin Sabine Pankoke, die Vizepräsidentin des rheinischen Schützenbundes Sabine Ley sowie der Bezirksbundesmeister Jakob Schmitz. Viele Monate hatte der Festausschuss der Sebastianus Bruderschaft den Umzug vorbereitet. Belohnt wurde ihr Einsatz nicht nur mit spontan aufbrandendem Beifall der Zuschauer, sondern auch mit strahlendem Sonnenschein. Das erste Mal seit Jahren, dass am Bruderschaftsfest die Regenschirme zu Hause bleiben durften. Bis auf einen kleinen Regenschauer am Nachmittag, strahlte die Sonne auch am Bruderschaftsfest Montag, so dass die neuen Majestäten in trockenen Gewändern ermittelt werden konnten. Neuer Bambiniprinz auf der RIKA Anlage wurde Joshua Borsch. Die neue Schülerprinzessin Larissa Segschneider setzte sich am kleinen Hochstand gegen ihre zehn Mitstreiter durch. Und der neue Jungschützenkönig Thomas Kalscheuer holte in einem spannenden Zweikampf den Vogel mit dem 66 Schuss vom großen Hochstand runter. Ehrenkönigin Martina Schall brauchte dafür mit der Donnerbüchse nur 41 Schüsse. Michael und Sheila Schmitz repräsentieren als Königspaar die Bruderschaft in der Session 2014/2015. Ihr Vogel fiel beim 30 Schuss von der Stange. Das Königspaar spiegelt in besonderer Weise auch das Jubiläumsmotto der Bruderschaft „Ein Fest der Generationen“ wider. Der König kommt aus einer Bruderschaftsfamilie, die sich seit Generationen in der Bruderschaft engagiert: Michael, seit mehr als 30 Jahren Offizier der Bruderschaft, Jungschützenkönig in 1987 und Ehrenkönig in 1991, hat sich nun nach seiner Mutter Grete, Königin 1979 und Großmutter Elisabeth, Königin 1952 als dritte Generation hintereinander in die Königsliste der Bruderschaft eingetragen. Bruder Reiner Schmitz ist ebenfalls Mitglied im Offizierscorps und auch Bruder Hans-Willi, Schwester Elke, seine Frau Sheila und die Töchter Katrin und Stefanie sind aktive Mitglieder. Der Aufmarsch der Fackelträger des Offizierscorps und ein exzellent dargebrachter großer Zapfenstreich unter dem Kommando von Hauptmann Ralf Mager sowie ein unbeschreiblich schönes Jubiläumsfeuerwerk bildeten den krönenden Abschluss des Tages.

Präsident Jakob Flohr bedankte sich nach dem Fest: „Allen Gästen, Freunden und Helfern ein herzliches Dankeschön für ein unvergessliches Festwochenende anlässlich unseres 875 jährigen Jubiläums. Allen Gymnichern danken wir herzlich für die Unterstützung und das Verständnis rund um unser Jubiläumsbruderschaftsfest.“

Und dann war da ja auch noch das WM Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal. Das Torfestival wurde auf einer Großleinwand gezeigt und bejubelt. Mit dabei: Wolfgang Bosbach. Der CDU Innenexperte hatte im Mai 2014 bei der Promi Ausgabe von "Wer wird Millionär" mitgemacht. Als Publikumsjoker hatte ihn damals Offizier Jörg Ruhl unterstützt. Spontan war er aufgestanden, als Wolfgang Bosbach eine Antwort auf die Frage „In welcher Waffenbezeichnung steckt noch das Wort Feuerstein?“ suchte. Colt, Revolver oder doch Flinte? Jörg Ruhl konnte helfen. „Ich musste mir die Lösung herleiten, aus dem Englischen.“ Flintstone heißt dort Feuerstein. Flinte war also die richtige Lösung. Als Dankeschön für die Hilfe besuchte Wolfgang Bosbach das Bruderschaftsfest und feierte gemeinsam mit den Mitgliedern den Sieg der deutschen Mannschaft und die neuen Majestäten.

Bruderschaft Gymnich überraschte Bürgermeister

Hilfe leisteten die Mitglieder der Bruderschaft aber nicht nur hilflosen Politikern im Fernsehen. Auch vor Ort in Gymnich setzten sie sich ein und überraschten damit den Bürgermeister Volker Erner. Die Bruderschaft hatte im Frühjahr die Anlage rund um das Pestkreuz in Gymnich (Neustraße, Ecke Vorpforte) komplett neu gestaltet und die Ruhebank restauriert. Diese Maßnahme ist das Geschenk der Bruderschaft an die Stadt Erftstadt anlässlich des 875jährigen Jubiläums. Mitte April präsentierten Vertreter der Bruderschaft den neu gestalteten Platz dem Bürgermeister Volker Erner und überreichten ihm eine kleine Broschüre, die den Wandel des Platzes dokumentiert. Erner zeigte sich sichtlich beeindruckt von diesem Engagement. Die Stadt Erftstadt setzt sich seit Jahren für den Erhalt solcher Denkmäler ein. In Zeiten angespannter städtischer Finanzmittel wird es aber immer schwieriger diese zu unterhalten. Bis 1866 befand sich der Schießplatz der Bruderschaft direkt neben dem Kreuz. Aufgrund dieser besonderen Beziehung wurde bereits 1989 das Kreuz von der St. Seb. Bruderschaft auf eigene Kosten restauriert und im Jahr 2012 eine Pflegevereinbarung für die Anlage rund um das Pestkreuz mit der Stadt geschlossen. Seitdem kümmert sich das Bruderschaftsmitglied Wolfgang Nothhelfer um die Pflege. Er plante und organisierte nun auch die komplette Neugestaltung, die vom 25. März bis 2. April durchgeführt wurde. In dieser Zeit wurden fünf voll beladene Lastwagen mit Bäumen, Sträuchern und Wurzeln abgefahren, 50 qm Vlies, Pflastersteine und Randsteine neu verlegt und verfugt sowie drei Lastwagen-Ladungen Splitt aufgetragen und neue Tuja- und Kirschlorbeersträucher gepflanzt.

Königin zu Besuch

Auch die Kinder des katholischen Kindergarten und der städtischen Kindertagesstätte in Gymnich staunten im vergangenen Jahr nicht schlecht, als die Königin der St. Sebastianus Bruderschaft Gymnich, Sheila Schmitz mit ihrer Königinnenkrone und in ihrem blauen Königinnenkleid den Kindern und Erzieherinnen der Einrichtungen einen Besuch abstattete. Die Königin wurde begleitet von Simone Hemmersbach und Kirsten Hillesheim von der Jugendabteilung, die reichlich Gummibären und Konsorten für die Kinder im Gepäck hatten. „Wir wollen uns bei den Kindern und den Erzieherinnen für die herrlichen Geschenke zum 875. Jubiläum bedanken“, freute sich Sheila Schmitz. Am Bruderschaftsfest hatte die Leiterin der städtischen Kindertagesstätte, Adelheid Kraus-Bantel, eine von den Kindern selbstgestaltete Leinwand als Jubiläumsgabe überreicht. Die Kinder des katholischen Kindergartens waren ebenfalls sehr kreativ und überreichten Königin Sheila eine selbstgebastelten „Königinnencollage“. Den Besuch im katholischen Kindergarten nutze die Bruderschaft gleichzeitig um der langjährigen Leiterin des Kindergartens, Frau Monika Wölfel, die besten Wünsche für den anstehenden Ruhestand zu überbringen und um dem neuen Leiter Frank Axer viel Erfolg und Gottes Segen in seiner neuen anspruchsvollen Tätigkeit zu wünschen.

Fun & Action für die Kleinen

Hervorzuheben ist an dieser Stelle auch die Jugendarbeit der „Blauen“ für die über 100 Kinder und jugendlichen Mitglieder. Regelmäßige Aktivitäten wie Bastelnachmittage, Sportschießtraining, Wochenendfahrten und Ferienfreizeiten binden den Nachwuchs an den Verein. Im letzten Jahr führte die einwöchige Ferienfreizeit die Kinder und Jugendlichen nach Bitburg. Bereits im Jahr 2010 erlebte die Jugendabteilung dort aufregende Tage. Auch 2014 stand viel auf dem Programm, so dass keine Langweile bei den Teilnehmern aufkam. Ein Survival-Wald-Abenteuer eröffnete die Woche: Mit den Hilfsmitteln, die der Wald bot, wurde eine Unterkunft gebaut und im Wald den Spuren der Wildtiere gefolgt, Nahrung und Wasser gesucht und Feuer ohne Feuerzeuge gemacht. Auf der hauseigenen Kletterwand der Jugendabteilung konnten die Teilnehmer dann am nächsten Tag ihre Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit testen. Gut gesichert ging es 12 Meter in die Höhe. Um Durchhaltevermögen ging es auch am darauffolgenden Tag beim Seifenkisten-Grand-Prix. In kleinen Teams bauten die Kinder ihre eigenen Seifenkisten, die beim anschließenden Rennen auf der selbst geplanten Rennstrecke zum Einsatz kamen. Für Entspannung und noch mehr Spaß sorgten ein Nachmittag im Bowlingcenter und ein Tag im Frei- und Erlebnisbad von Bitburg.

"Wir haben Glück und sind dankbar, dass sich jedes Jahr mehr als eine Handvoll Mitglieder als Betreuer zur Verfügung stellt und Tage ihres eigenen Urlaubs opfern, damit wir dieses Angebot machen können“, sagte Jakob Flohr, Präsident der Bruderschaft, nach der Fahrt. „Die Ferienfreizeit ist der kleine Höhepunkt in jedem Jahr und die Plätze, die wir anbieten können, sind immer schnell vergeben.“

Ökumenische Bewegung in Gymich

Die St. Sebastianus Bruderschaft ist auch tief im kirchlichen Leben in Gymnich verwurzelt; der ökumenische Gedanke wird schon seit vielen Jahrzehnten in der Bruderschaft gelebt. Folglich war es eine Selbstverständlichkeit und große Ehre den Kirchengemeinden das Bruderschaftsgelände für das ökumenische Erntedankfest am 5. Oktober 2014 zur Verfügung zu stellen. Auf dem Musikpavillon wurde ein Erntedankaltar hergerichtet, der einen prächtigen Rahmen für den von Pastorin Sabine Pankoke und Pastor Joseph Pikos zelebrierten Gottesdienst unter Mitwirkung der Kindergartenkinder und dem Chor „Neue Wege“ bildete. Beim anschließenden gemütlichen Teil des Tages weckte die von den Eheleuten Kläre und Stefan Schmitz zusammengestellte und viel bestaunte Ausstellung alter landwirtschaftlicher Geräte bei vielen älteren Besuchern Erinnerungen an lang zurück liegende Zeiten und löste gleichzeitig bei vielen jüngeren Besuchern unglaubliches Staunen aus.

Besinnlicher Abschluss

Im Dezember 2014, nach zwölf Monaten und Party-Veranstaltungen für jung und alt, unter anderem einer blau weißen Hüttengaudi mit zünftiger Blasmusik und deftigen bayerischen Schmankerln und einer Live Music Night mit der Band „Unlimited“ feierte die St. Sebastianus Bruderschaft mit einem Konzert einen besinnlichen Abschluss ihres Jubiläumsjahres. Der Chor „Neue Wege“ präsentierte in einem ausverkauften Bruderschafts Saal eine musikalische Reise durch die kölsche Advents- und Weihnachtszeit. Unter der Leitung von Johannes Speckamp bot der Chor „Neue Wege“ gemeinsam mit Musikern der Region sowie den Solisten Susanne Wachsmann, Martina Speckamp, Klaus Minten und Werner Hanisch den 400 Konzertgästen bekannte und vergessene Lieder aus der Kölschen Advents- und Weihnachtszeit dar: „Nit alle Engel han Flüjel, www.Hillije Mann.de, Unser Böömche und D'r Papa wor ald widder d'r Weihnachtsmann“ sowie viele weitere Lieder wurden dargebracht und sorgten für eine heitere besinnliche Stimmung. Der Reinerlös des Kartenverkaufs kam der Aktion „Lichtblicke“ von Radio Erft zugute. So freute sich Marlies Flohr vom Projektchor zu Beginn des Konzerts Jasmin Wernicke von Radio Erft 800 Euro für die Aktion überreichen zu können. Die 400 Konzertgäste unterstützten die Aktion am Abend auch noch einmal spontan: Eine Sammlung unter den Gästen brachte weitere 838,32 Euro ein, so dass sich die Aktion Lichtblicke am Ende über 1.638,32 € freuen konnte.

Auch die Jugendabteilung der Bruderschaft nutzte die Gelegenheit um ihre sozialen Projekte – die DKMS und das SOS Kinderdorf Sarajewo – zu unterstützen. Vor dem Konzert bewirteten die Kinder und Jugendlichen der Bruderschaft auf dem Bruderschaftsgelände die Besucher der Kölschen Weihnacht mit Glühwein, Kakao, Waffeln und Crêpes. Das sorgte nicht nur für eine gute Einstimmung der Gäste, sondern brachte der Jugendabteilung auch den einen und anderen Euro für ihre Projekte ein, so dass die Jugendabteilung am Patronatsfest 2015 die stolze Summe von 1.750 € zweckgebunden für die Typisierungsaktion Lara an einen Vertreter der DKMS überreichen konnte.

Präsident Jakob Flohr, dessen Opa und Ur-Ur-Opa sich ebenfalls als Präsidenten für den Fortbestand der Bruderschaft einsetzten, resümiert nach einem anstrengenden aber rundum gelungenen Jubiläumsjahr: "Viele Hände sind nötig, um eine Vereinigung solange aufrecht zu erhalten - junge wie erfahrene Hände. Wichtig ist es, ein gutes Gleichgewicht zu finden und für jeden etwas zu anbieten. Ich bin sicher, dass wir das nötige Gleichgewicht für die nächsten Jahre halten können, so dass die Bruderschaft noch lange eine tragende Säule für die Gemeinschaft in Gymnich und Umgebung sein wird.“

Großes Engagement, das sich auszahlt. Seit 875 Jahren.

Nina Rauschenbach