Das älteste bekannte Foto der Bruderschaft
Ein ganz besonderer Meilenstein in der Geschichte der St. Seb. Bruderschaft Gymnich ist dieses beeindruckende Foto aus dem Jahr 1901 – das älteste bekannte Bild mit nachgewiesenem Ursprung, das Mitglieder unserer Bruderschaft zeigt. Es entstand anlässlich des traditionsreichen Gymnicher Ritts und wurde vor der historischen Kulisse des Schlosses Gymnich aufgenommen, die damals noch als Burg Gymnich bezeichnet wurde.
Die Versamlung wurde 5 ¾ Uhr durch den H Vorsitzenden eröfnet. In betreff des Christihimmelfarts Festes, theilte der H Vorsitzende, der Versamlung mid, das nach dem Ritte, auf Wunsch, unseres H Grafen, eine Potografische Aufnahme, der Gesellschaft, statfinden solle, und zwar an der Burg. Die Midglieder wurden aufgefordert, sich recht zahlreich zu betheiligen, damid was Schönes zustande komme.
Die Aufnahme zeigt eine große Gruppe von Reitern, Musikern und uniformierten Mitgliedern, sorgfältig in Szene gesetzt. Bereits damals war der Gymnicher Ritt ein bedeutendes Ereignis im Jahresverlauf, das nicht nur die Bruderschaft, sondern das ganze Dorf zusammenbrachte.
Reiner Schmitz nahm am 13.01.1986 eine namentlich Zuordnung der Personen vor, sodass heute noch viele der abgebildeten bekannt sind:
- Peter Inden, mit Trommel
- Kapelle Klutinus aus Esch bei Euskirchen mit sechs Personen. Die Kapelle Klutinus hat bis weit in die zwanziger Jahre jährlich beim Bruderschaftsfest aufgespielt (Marsch- und Tanzmusik, zum Königsball Streichmusik). Diese Kapelle wurde stets am Dreifaltigkeitssonntag zu Mittag am Bahnhof Oberliblar mit einem Pferdewagen (2 Pferde) von dem Ackerer Wilhelm Reimer bzw. Sohn Andreas abgeholt. Die Musiktribüne war über dem (damaligen) mittleren Saaleingang aufgebaut.
Fahnenabordnung
- Dreschmann (Adjutant)
- Fähnrich (Name n.b.)
- Dreschmann (Adjutant)
- Heinrich Kraus (König)
- Ambrosius Kreuder (Spillesstr.)
- Giesen, Ausleger
- Müller, Kerpener Str.
- Faßbender, Sternenstraße
- n.b.
- Kalscheuer
- Nothhelfer (mit Kappe)
- Johann Steven, Sternenstraße
- Nothhelfer (mit Kappe)
- n.b.
- Johann Heinen, Hauptstraße
- Theodor Kalscheuer (Hannesmännche)
- Heinrich Mager, Kohlstraße
- Peter Reiner Welter (Järndisch; 7.12.1854-21.10.1923)
- Dr. Carl Welter, Kerpen (Sohn v. Nr. 20, 26.12.1886-13.5.1970)
- n.b.
- n.b.
- n.b.
- n.b.
- n.b.
- Josef Klein (mit grauer Hose)
- Ambrosius Reimer, Ausleger
- n.b.
- n.b.
- n.b.
- n.b.
- n.b.
- Flohr
Die zwei Personen im Vordergrund sind: Dreschmann (Vorpforte), 1. Offizier und Johann Kalscheuer (Kuhls), Präsident
Im Hintergrund im hellen Rock (rechts) zu Pferd = Johann Titz (Schützenstraße), Großvater von Johannes Titz, dem König 1985-86
auf den 3 Schimmeln rechts: die Gebrüder Theodor, Johannes und Wilhelm Pützkaul
Was dieses Bild so besonders macht, ist nicht nur sein Alter, sondern auch der technische Aufwand, der mit einer solchen Fotografie im Jahr 1901 verbunden war. Fotografieren war zu dieser Zeit keineswegs alltäglich: Kameras waren groß, teuer und wurden meist von Berufsfotografen bedient. Belichtungszeiten konnten mehrere Sekunden dauern, was absolute Disziplin und Stillhalten der abgebildeten Personen erforderte – eine beachtliche Leistung angesichts der Größe der Gruppe.
Auch die Entwicklung des Bildes war aufwendig: Glasplatten, Chemikalien und Dunkelkammern waren nötig, um überhaupt ein dauerhaftes Ergebnis zu erzielen. Dass dieses Foto über mehr als ein Jahrhundert erhalten geblieben ist, verdanken wir nicht nur der technischen Sorgfalt, sondern auch der großen Bedeutung, die solche Aufnahmen damals für das kollektive Gedächtnis eines Vereins hatten.
Dieses Bild ist heute ein sichtbares Zeugnis unserer langen Geschichte und unterstreicht den tiefen Zusammenhalt, den unsere Bruderschaft seit jeher pflegt. Es erinnert uns daran, dass unsere Tradition auf starken Wurzeln steht – und dass Gemeinschaft, Glaube und Engagement über Generationen hinweg weitergetragen wurden.